GESCHICHTE [2/3] 2007-04-27

Im Jahre 1911 wurde die Station mit zwei Galitzine Horizontalpendel ausgestattet, die über die erste elektromagnetische Vorrichtung verfügten mit der Erdbeben aufgezeichnet werden konnte. Dies war der Ausgangspunkt jedes modernen Systems. Während des Ersten Weltkrieges wurde, wegen eines Mangels an lichtempfindlichem Papier, nur die mechanische Aufzeichnung mit den Wiechert Seismometern fortgesetzt. Die anderen Geräte wurden erst wieder am 12. Juli 1919 benutzt.



Galitzine Horizontalseismometer von Ukkel. Vorn erkennt man das Pendel, das aus einem Gewicht, das an zwei Fäden hängt, besteht. Eine Spule, die am Arm des Pendels befestigt ist (hinter dem Gewicht), bewegt sich zwischen dem Spalt des Magneten.



Am 30. April 1930 ergänzte ein Galitzine-Wilip Vertikalseismometer die Station. Von 1910 bis 1945 wurden 9697 Erdbeben in Ukkel aufgezeichnet, davon 80 lokal. Das stärkste dieser Erdbeben war das vom 11. Juni 1938 in der nähe von Audenarde.

Die klassische Aufzeichnung durch die Galitzine und Wiechert Seismometer wurde bis 1962 fortgesetzt. Danach wurden die 3 Komponenten der Wiechert Seismometer dank mehrerer Papierstreifenschreiber mit Tinte aufgezeichnet. Dieses System veränderte jedoch sehr stark die Häufigkeitsantwort der Signale und war ungeeignet für lokale Erdbeben. Die Galitzine und Wiechert Seismometer wurden im Laufe der Siebzigerjahre überholt und 1973 durch drei langperiodische Sprengnether / Press-Ewing Seismometer ersetzt. Die Signale dieser Seismometer wurden gleichzeitig auf analoge Magnetbänder und mit Papierstreifenschreiber aufgezeichnet. Alle Daten wurden auf Mikrofilme gespeichert, die wegen ihrer schlechten Qualität für wissenschaftliche Zwecke nur schwer zu handhaben sind.



Sprengnether / Press-Ewing Vertikalseismometer. Die Spiralfeder wurde bei den beiden Horizontalkomponenten durch eine Bifilaraufhängung ersetzt.



Alle historischen Geräte außer die schweren Bosch-Omori Pendel sowie alle Aufzeichnungssysteme befinden sich immer noch im Observatorium.









J.M. Van Gils im Jahre 1966 vor der „Seismologie Kabine“ des K.O.B., wo von 1962 bis 1970 die Wiechert Seismometer und ab 1985 die Sprengnether / Press-Ewing Seismometer Daten aufzeichneten. Die sechs Aufnahmegeräte ermöglichten es, während eines Papierrollenwechsels, die drei Komponenten Ost-West, Nord-Süd und Vertikal des Seismometers weiterhin ohne Unterbrechung aufzuzeichnen.








Nach dem Erdbeben von 1983 in Lüttich wurde das seismische Netz im April 1985 modernisiert. Die Station in Ukkel bekam ein kurzperiodischen Sprengnether S-10 Vertikalseismometer, dessen Signal mit dem von anderen Stationen sowohl analog auf neue Papierstreifenschreiber, die bis 1999 in Betrieb waren, als auch digital auf Magnetbänder registriert wurde. Für die Station in Ukkel brach somit die Zeit der digitalen Seismologie an.

Mit der Zeit beschäftigten sich die Seismologen auch mit der Zeitmessung der Aufzeichnungen. Im Jahre 1999 wurde eine neue Uhr installiert, die zuerst täglich und anschließend ab 1912 kontinuierlich mit dem Uhrzeitdienst des Observatoriums synchronisiert wurde. Seit 1984 werden DCF Empfänger benutzt, parallel zu GPS Empfänger, die ab 1998 in Betrieb genommen wurden. Im Jahre 1909 betrug die Genauigkeit 1 Sekunde und 1912 0,1 Sekunden. Heute verspricht der DCF eine Genauigkeit von einer Hundertstelsekunde und der GPS mehr als einer Tausendstelsekunde.

Da die Station in Ukkel auf einer weichen Sedimentschicht erbaut wurde, ist sie äußerst empfindlich gegen Vibrationen, die durch den Menschen verursacht werden. Durch die zunehmende Verstädterung und die Entwicklung der Industrien wurden die seismischen Messungen immer ungenauer. Deswegen wurde 1998 ein 140 Meter tiefes Loch gebohrt, in dem ein Seismometer direkt auf das Grundgestein platziert wurde. Das Signal-Rausch-Verhältnis wurde somit, je nach Frequenz, 10 bis 30 mal verbessert.

Schließlich wurde 2003 ein Beschleunigungsmesser zur Registrierung von starken Erdbewegungen im unterirdischen seismischen Laboratorium installiert.

Der seismologische Pavillon, wie er noch heute im Park des K.O.B. steht. Die Bodenerhöhung vor dem Pavillon bedeckt das Gewölbe des unterirdischen seismischen Laboratoriums. Im Vordergrund erkennt man das Bohrrohr, wo 1998 ein Seismometer in 140 Meter Tiefe platziert wurde.



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